Die Geschichte hinter dem Buch

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und geschichtliche Fakten zum historischen Roman "Das Hexennest".
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Über den Roman »

ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch das Mycobacterium leprae (kurz: M. leprae) hervorgerufen wird. Die Ansteckung erfolgt meist durch Tröpfcheninfektion über das Nasensekret Erkrankter. Dabei kommt es nur vergleichsweise selten tatsächlich zum Ausbruch der Krankheit. In den meisten Fällen verhindern die körpereigenen Abwehrkräfte der Infizierten das Voranschreiten der Krankheit noch bevor Symptome auftreten. Ob, aber auch in welcher Form sich eine Leprakrankheit entwickelt, hängt maßgeblich von der Beschaffenheit des Immunsystems ab.Die lepromatöse/multibazilläre Lepra kann neben der Haut, wo sie knotige, mit Bakterien gefüllte Schwellungen entstehen lässt, zahlreiche weitere Organe des Körpers befallen. Im fortgeschrittenen Stadium kann es sogar zur Zersetzung knöcherner und knorpeliger Strukturen kommen, die am Skelett sichtbar sind. Typisch für Lepraerkrankungen mit lepromatösem Schwerpunkt ist das sogenannte "Löwengesicht" (Facies leonina). Dieses Symptom ist gekennzeichnet durch verschwommene Gesichtszüge, die durch das Zusammenwachsen zahlreicher Geschwüre in den Gesichtern der Betroffenen entstehen. Einher gehen häufig der Ausfall von Wimpern, Augenbrauen und ggf. Barthaaren sowie das Einsinken der Nase, wenn es bereits zu einer Zersetzung der knöchernen Strukturen des Nasenskeletts gekommen ist. (Ouelle: Lepramuseum Münster )
Die Verbreitung des Aussatzes in Europa im Mittelalter wird oft den Kreuzzügen zugeschrieben. Sie erreichte ihren Höhepunkt im 13.Jahrhundert und verschwand mit dem Ende des 16.Jahrhunderts weitgehend aus der Reihe der chronischen Volkskrankheiten in Mitteleuropa.
Am verbreitetsten in Europa war die Lepra in Norwegen. Dort gab es im Jahr 1862 noch über 2000 an der Lepra erkrankte Menschen bei einer Gesamtbevölkerung von circa zwei Millionen. Erst ab Mitte des 20. Jahrhunderts wurde die Lepra dort ausgerottet.Da Lepra im Grunde kaum ansteckend ist, liegt die tatsächliche Ursache der Erkrankungen in mangelnder Hygiene, Unterernährung und somit einem geschwächten Immunsystem.
Schon in der Antike war Aussatz als ansteckende Krankheit gefürchtet, weshalb Aussätzige aus der Gemeinschaft verstoßen und Kontakt mit ihnen vermieden wurde.Stand man im Mittelalter in dem Verdacht, Lepra zu haben, musste man sich zur Lepraschau, dem "Examen leprosorum", begeben, das, weil bei der Untersuchung gute Lichtverhältnisse gefordert waren, nur bei sonnigem Wetter stattfinden durfte und von dem Stadtarzt, einem Bader und ein bis zwei Hebammen vorgenommen wurde.Wenn sich jedoch herausstellen sollte, dass er an Lepra erkrankt war, wurde er als Aussätziger aus der menschlichen Gesellschaft ausgestoßen. Nach einem strengen Ritual wurde ihm in Gegenwart der Gemeinde ein Requiem gelesen, wobei der Leprose in manchen Gegenden während der Messe auf einer Totenbahre, mit dem schwarzen Leichentuch verdeckt, lag. Danach wurden sie vor die Tore der Stadt geführt. Sie unterlagen strengen Regeln.
1. "Es ist dir verboten, jemals in die Kirchen, auf den Markt, in die Mühle, an den Backofen und in die Volksversammlungen zu gehen.
2. Es ist dir verboten, deine Hände, und was du sonst zu waschen nötig hast, in Quellen und Rinnen von irgendwelchem Wasser zu waschen, und wenn du trinken willst, so sollst du das Wasser mit deinem Becher oder irgendeinem anderen Gefäße schöpfen.
3. Ich gebiete dir außerdem, nur einherzugehen in deinem Leprosenanzuge, damit du von anderen erkannt werden kannst, und du sollst nicht barfuß außerhalb des Hauses gehen.
4. Ich lege dir ans Herz, daß du nicht irgendeine Sache, die du kaufen willst, wo es auch sei, anrührest, sondern diese nur mit einer Gerte oder einem Stäbchen berührest, damit man erkenne, was für eine Sache es sei.
5. Ferner trage ich dir auf, daß du nicht in ein Wirtshaus oder in andere Häuser gehest, und wenn du Wein kaufst oder was dir sonst gereicht wird, so tue es in dein Fläschchen.
6. Ferner befehle ich dir, nicht mit irgendeinem Weibe, auch nicht mit deiner Frau, umzugehen.
7. Ferner befehle ich dir, wenn auf dem Wege dir jemand begegnet und dich befragt, daß du nicht antwortest, bis du aus der Windrichtung gegangen bist, damit er nicht von dir den Tod empfange, und du sollst nicht geraden Weges auf jemanden zugehen.
8. Ferner befehle ich dir, daß, wenn du über einen Steg oder über ein Wasser gehen mußt oder auch anderswohin, daß du nicht die Balken oder das Geländer anrührest, bevor du nicht deine Handschuhe angezogen hast.
9. Ferner befehle ich dir, daß du keine Kinder oder irgendwelche andere junge Leute anrührest und ihnen etwas von deiner Habe gibst.
10. Ferner befehle ich dir, daß du in Gesellschaft anderer Leute nicht essest und trinkest, sondern nur mit Aussätzigen, und wisse, daß, wenn du in deinem Hause gestorben sein wirst, du nicht in der Kirche beigesetzt werden wirst."
(in: Seuchen in der Geschichte = Geschichte betrifft uns, 3/1988, S. 14)

Im Umfeld vieler Städte entwickelten sich ab dem 11. Jahrhundert mit den Leprosenhäusern eine eigene Hospizform. Vor der Gründung der ersten Leprosorien mussten die Erkrankten als sogenannte "Feldsieche" ihr Überleben selber organisieren. Im Verlauf der Jahrhunderte setzte sich im Volk die Vorstellung fest, dass Leprakranke "Gottes besondere Kinder " seien. Dieser Glaube förderte die Unterstützung der Leprosorien durch finanzielle und andere Zuwendungen.
Auch innerhalb dieser Häuser galten strenge Regeln.
Wie das Leben in einem Leprosorium, das außerhalb der Stadt liegen musste, ablief, zeigt die Lübecker Leprosenordnung von 1260, die von dem Bischof Johannes III. von Tralau für die Leprosen des Bistums Lübeck erlassen und später vom Rat der Stadt ergänzt wurde. In ihr wurden die Aussätzigen zu folgenden Ge- und Verboten angehalten:
1. "1. Es ist die Pflicht der Aussätzigen im Hospital zu Lübeck, daß alle gemeinsam im Stehen nach dem Essen fünf Paternoster und fünf Ave-Maria sprechen.
Wer dieses vernachlässigt, dem wird zur folgenden Mahlzeit vom Haus kein Essen gegeben.
2. 2. Wer dem Bruder oder der Schwester sagt: ‚Du lügst, Du bist ein Schurke‘, dem wird acht Tage seine Pfründe entzogen.
3. 6. Wenn ein Bruder und eine Schwester beim Koitus ertappt werden und dies von zwei Brüdern oder zwei Schwestern bestätigt wird, dann werden diese für ein Jahr und Tag aus dem Spital verwiesen, und wenn sich nach ihrer Wiederaufnahme erweist, daß sie die Sünde des Koitus wiederum begangen haben, dann werden sie für ewig aus dem Haus verwiesen.
4. 11. Ein Kranker darf sein Geld und sein Erbe geben, wem er will, entsprechend seinem Testament. Aber seine Kleider sollen im Spital bleiben, nicht auf den Markt gebracht werden, sondern können im Spital unter den Bedürftigen verkauft werden.
5. 14. Wenn der Siechenmeister einem Kranken befohlen hat, etwas zum Nutzen des Hauses zu tun, was er gut könnte, und dieser sich weigert, es zu tun und den Befehl nicht ausführt, dann bekommt er einen Tag keine Pfründe.
6. 22. Alle gehen gleichzeitig schlafen, wenn der Siechenmeister geht.
7. 26. Wer eine religiöse Übung ohne zwingenden Grund vernachlässigt, darf am nächsten Essen nicht teilnehmen.
8. 28. Zweimal in der Woche wird gebadet.
9. 30. Kein Kranker betritt die Stadt, um etwas zu kaufen.
10. 33. Die Kleidung, die jemand hat, wenn er ins Spital kommt, kann er auftragen; danach muß er blaue oder graue, darf aber nicht gestreifte tragen.
11. 34. Die Schwestern müssen graue und geschlossene Kleider tragen."
(in: Die Klapper – Mitteilungen der Gesellschaft für Leprakunde e.V. 1/1986, letzte Seite)
Die Leprosen galten einerseits als nicht lehns- oder erbwürdig, andererseits als voll schuldfähig.
Mit dem Verschwinden der Lepra wurden die Leprosorien zunehmend von pflegebedürftigen-überwiegend alten - Menschen ohne familiären Zusammenhang genutzt. Andere Gemeinden nutzen die Gebäude als Armenhäuser.
Die Pest, die epidemisch auftrat und sehr ansteckend war, tötete in den überwiegenden Fällen ihre Opfer innerhalb von ein paar Tagen. Wer sie überlebte, war gegen eine Neuansteckung gefeit.
Wer an der Lepra erkrankte, hatte bisweilen  - bei zunehmender gesundheitlicher Beeinträchtigung und körperlicher Entstellung  - noch viele Jahre eines beschwerlichen Lebens im sozialen Abseits vor sich.

Frühneuzeitliche Lepraratsche mit der Erkrankte vor sich warnen sollte ( Quelle: Wikipedia )